Grimme Preis 2016

Die vierteilige Dokumentations-Reihe “Kunst und Verbrechen” im Auftrag des ZDF/3 Sat sucht die dunklen Ecken des Kunstmarktes auf. Wo und wie trifft Kunst auf Krimi? In vier thematisch abgegrenzten Folgen nähert sie sich den Kehrseiten der Kunst und untersucht, wer ihre Protagonisten sind.

Philipp Baben der Erde war bei diesem Projekt als Art Director tätig. Seine Aufgabe war es, einen speziellen Look and Feel zu kreieren der sich von  der Fernsehnorm abhebt und eher an einen Kinofilm erinnert. In beratender Funktion stand er dem Team auch zu Grafik, Sound und dem Storyboard zur Seite.  Er entwickelte eine eigene Bildsprache in Form von Micro-Reenactments in slow motion und verfeinerte im letzten Produktionsschritt den Look im Grading. So gab er der Serie ihren ganz eigenen Spirit.

Kunst und Verbrechen gewann 2016 den Grimme Preis der Marler Gruppe.

Begründung der Jury:

Auf dem Kunstmarkt fließen Schwindel erregend hohe Summen, und das lockt natürlich auch Gauner und Ganoven. Raub, Schmuggel, Fälschungen, Skandale und das organisierte Verbrechen – die Welt der Kunst ist voller packender Kriminalgeschichten, die es zu erzählen lohnt! Doch so skandalös einige Fälle daherkommen, so verschwiegen ist die gesamte Branche. Was sich hinter den Kulissen abspielt – auch in den Kreisen gut betuchter Sammler und Galeristen – bleibt oft ungewiss. Die Dokumentationsreihe „Kunst und Verbrechen“ bringt Licht ins Dunkel. Ilka Franzmann, Carl von Karstedt, Sylvie Kürsten und Andreas Gräfenstein begeben sich in vier Folgen auf Spurensuche: Wer steckt im Fälschungsskandal um die New Yorker Galerie Knoedler unter einer Decke?  Wie kam das geraubte Kunstwerk „Wally“ aus jüdischem Besitz in die Sammlung Leopold? Was motiviert Kunstdiebe und -schmuggler, sich am nationalen Kulturerbe zu vergreifen? Und welche Rolle spielt eigentlich der Kunstmarkt selbst? Wer sich nicht berufsbedingt mit diesem Thema auseinandersetzt, verliert im großen Gefüge um Geld, Macht und organisierter Kriminalität schnell den Überblick. Doch den Autoren gelingt es auf herausragende Weise, uns die großen Zusammenhänge anhand beispielhafter Kriminalfälle näher zu bringen. Wir lernen skrupellose Schmuggler, windige Anwälte, gut informierte Insider und geprellte Opfer kennen. Dabei lassen die Autoren niemals den Gesamtkontext außer Acht. Sie fragen Opfer und  Täter gleichermaßen und decken so die Schattenseiten einer Welt auf, in der täglich Millionen fließen. „Wovon hängt unsere  Wertvorstellung von Kunst ab?“ – fragen wir uns beispielsweise im Hinblick auf die Mona Lisa, deren Popularität selbst  durch einen Raub gesteigert wurde.
Die Reihe begeistert das Publikum durch ihre perfekte Kombination aus Text, Bild und Ton, die der Doku-Reihe eine besondere Dynamik verleiht und trotz vier verschiedener Filmemacher den roten Faden erkennen lässt. Denn Fernsehen kann mehr als „nur“ Geschichten erzählen. Die Macher von „Kunst und Verbrechen“ aktivieren uns als Zuschauer auf allen ihnen möglichen Ebenen: ausgezeichnet recherchierte Inhalte packend erzählt, perfekt kombiniert mit teils frech kommentierenden Musikstücken und einer zeitgemäßen visuellen Gestaltung. Gerade letzteres ist unverzichtbar. Denn das Thema ist hochkomplex, die Verbindungen undurchsichtig. Mit Skizzen, Fotos und Verbindungspfeilen folgen wir der Sprecherin durch das Dickicht der Ermittlungen. Wer hat was mit wem zu tun? Wo befinden wir uns in der Geschichte? Durch die dynamische Gestaltung der Ermittlungstafel behalten wir stets den Überblick, haben das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, und bleiben dabei immer höchst aufmerksam. Eine großartige Leistung von Andreea und Michael Wende, die die Marler Gruppe für ihre Animationen und Grafiken zusammen mit den vier Autoren mit dem Publikumspreis auszeichnet. Und ja, wo bleiben in dieser Geschichte eigentlich Recht, Moral und Ethik? Da kann man eigentlich nur den lakonischen Schlusskommentar der Sprecherin zitieren: „Außer den beteiligten Anwälten gibt es nur Verlierer.“

 

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